Ad fontes - Lateinkurs der Q1 auf Spurensuche in Haltern und Köln
Anfang Mai ging es nach Haltern am See, wo die Arbeit von archaeologi intensiv in den Blick genommen wurde. Zu Beginn standen eine sehr informative Einführung durch eine Dozentin der Universität Münster in die Arbeitsweise der (antiken) Archäologie im LWL-Römermuseum sowie die Betrachtung und Analyse einiger Fundstücke aus dem vor ca. 2000 Jahren dort gelegenen Römerlager "Aliso" (vermutlich ein wichtiger Stützpunkt der berühmten 9. Legion des Varus, die bei Kalkriese im Osnabrücker Land von vereinten germanischen Stämmen geschlagen wurde) auf dem Programm. Danach folgte ein ebenso interessanter Praxis-Teil: Auf dem Außengelände ergab sich die Gelegenheit, dem gerade dort beschäftigten Archäologen Tobias bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und viele Fragen zu stellen, bevor die Kursmitglieder und ihr Lehrer selbst tätig wurden und mit Schaufel, Spachtel und Sieb den Aushub auf antike Fundstücke untersuchten. Leider konnte kein Sensationsfund notiert werden - aber immerhin ein paar Keramikscherben, Holzkohle und Überreste aus der Produktion der Eisennägel (für die Sandalen der römischen Soldaten).
Anfang Juli erkundete der Lateinkurs (sowie ein zusätzlicher ehemaliger discipulus Linguae Latinae) die Stadt Köln - oder vielmehr die erhaltenen Überreste der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, wie die antike römische Siedlung am Rhein damals hieß. Zunächst wurden im Römisch-Germanischen Museum etliche Fundstücke aus dieser Epoche betrachtet, alte Inschriften entschlüsselt und die Bedeutung dieser Stadt an der Grenze des römischen Reiches zum barbarischen Germanien erschlossen. Durch einen Mittagsimbiss gestärkt folgte die Erkundung der erhaltenen Überreste in der heutigen Innenstadt Kölns - Römerturm, römische Stadtmauer, Nordtor und Hafenstraße waren einige der Stationen. Den Abschluss bildete der Besuch von Sankt Ursula. Auf der Basis einer romanischen Basilika wurde in den folgenden Jahrhunderten eine große Kirche errichtet, die mit ihrer goldenen Kammer ein besonderes Highlight bietet: Der Raum ist nicht etwa komplett mit Gold verziert, sondern besteht (wie soll es auch anders sein) aus einem anderen Relikt der Römerzeit - den menschlichen Überresten (Knochen!) von ca. 11.000 Menschen, die man bei Ausgrabungen in einer antiken römischen Massengrabstelle gefunden hat.
Finis coronat opus - nach dem Erhalt des Latinums gibt's dann zum Start in die Sommerferien noch einen besonderen Bonus: In Form einer "digitalen Spurensuche" - diesmal in der griechischen Antike - wird gemeinsam die Neuverfilmung von Homers Odyssee im cinematographeum geschaut!
Nicht nur durch diese Aktivitäten, sondern vielleicht auch durch den Unterricht der letzten fünf Jahre können die Latein-Schüler*innen nun hoffentlich sagen: "Non modo scholae, sed etiam vitae didicimus! - Nicht nur für die Schule, sondern auch für das Leben haben wir gelernt!"